Orte in Verbindung mit dem Pädagogischen Seminar

Instituts-Kindergarten

Zum Wintersemester 1925 wurde im (!) Pädagogischen Seminar bzw. Institut – es wurden Räume im Waisenhaus dafür genutzt (vgl. SUB Göttingen Handschriften und Seltene Drucke: Cod. Ms. H. Nohl 872C, 48) – ein Kindergarten wiedereröffnet und neu eingerichtet (vgl. Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpaginiert), nachdem ein vorheriger Versuch ein Jahr vorher beendet wurde (vgl. SUB Göttingen Handschriften und Seltene Drucke: Cod. Ms. H. Nohl 872C, 48). Für Herman Nohl hatte der Kindergarten mit einer Planungsgröße von 12-15 Kindern v.a. den Zweck, den Realitätsbezug des wissenschaftlichen Arbeitens im Seminar aufrechtzuerhalten, wie er in einem Bittschreiben an den Kurator am 25.11.1925 zur finanziellen Unterstützung des Kindergartens schreibt: „Die Möglichkeit, mit Kindern dieses Alters in dauernder Beziehung zu bleiben, ist für die Studierenden, die ja Kinder meist gar nicht kennen, aber auch für mich von grösstem Wert, um die lebendige Fühlung mit der Wirklichkeit zu behalten, [….]“ (Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.; ähnlich äußert sich dazu die damalige Kindergärtnerin, vgl. SUB Göttingen Handschriften und Seltene Drucke: Cod. Ms. H. Nohl 872C, 48). Zielgruppe waren sogenannte ‚Psychopaten‘ oder auch ‚Schwererziehbare‘ (vgl. ebd., 48f.), grundsätzlich wurden die zu betreuenden Kinder über Zeitungsannoncen gewonnen, aber auch das Waisenhaus selbst gab einen Teil seiner bei ihm in Obhut befindlichen Kinder für eine Zeit lang in den Seminar-Kindergarten (vgl. ebd., 49). Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Kindergarten von der besonderen Zielgruppe hin zu einer bürgerlichen Einrichtung mit 25 Kindern 1927 (vgl. ebd., 52).
Aufgrund der schlechten Raumsituation (vgl. Beitrag zum Kreuzbergweg 57) erhält das Pädagogische Institut Räume in der Friedrichstraße 1, in die auch der Kindergarten umzieht, der zu dieser Zeit (1929) bereits 28 Kinder betreut (vgl. Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.; s.u.).
Aufgrund der Auflösung des Pädagogischen Instituts in Folge der Zwangsemeritierung Nohls 1937 wird auch der Kindergarten aufgelöst (vgl. Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.; s.u.).

Brief Herman Nohls vom 06.11.1929 an den Kurator der Universität. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.
Brief Herman Nohls vom 06.11.1929 an den Kurator der Universität. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.

Volksschulklasse

Im Juni 1928 genehmigt der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Errichtung einer privaten Volksschulklasse (vgl. Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.; s.u.). Ähnlich wie beim Kindergarten stand laut dem damaligen Lehrer der Schulklasse Nohls Interesse im Vordergrund, den Bezug zur Wirklichkeit bzw. zum Leben aufrechtzuerhalten (vgl. SUB Göttingen Handschriften und Seltene Drucke: Cod. Ms. H. Nohl 872C, 225). Die Schulklasse war als eine Versuchsklasse gedacht, die mit ihren 17 Kindern zu Beginn jedoch keine Repräsentativität möglicher Ergebnisse dieses Versuchs beanspruchen konnte (vgl. ebd.). Das vordergründige Ziel, den Schulunterricht zu erleben und zu beobachten wurde dennoch von ‚Versuchen‘ begleitet, etwa durch völlig freien Gesamtunterricht in den ersten anderthalb Jahren (vgl. ebd., 226) oder auch durch eine Einteilung der Klasse in zwei Gruppen, die beständig miteinander wetteifern (vgl. ebd., 228). Häufige Hospitationen (vg. ebd., 229f.) dienten ebenfalls der Zweckerfüllung der Schulklasse.
Ihren Sitz hatte die Schulklasse anfangs im Kreuzbergweg 57, zog aber später ebenso wie der Kindergarten in die Friedrichstraße 1 um.
1933 hat die Schulklasse 20 Schüler (vgl. Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.; s.u.), 1934 kann die Unterstützung durch das Kuratorium für den Lehrer Netzer der Volksschulklasse jedoch schon nicht mehr gewährt werden (vgl. Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.; s.u.).

Brief des der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 04.06.1928 an den Kurator der Universität betreffend die Errichtung einer privaten Volksschulklasse. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.
Brief des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 04.06.1928 an den Kurator der Universität betreffend die Errichtung einer privaten Volksschulklasse. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.
Brief Herman Nohls vom 15.12.1933 an den Kurator der Universität. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.
Brief Herman Nohls vom 15.12.1933 an den Kurator der Universität. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.
Brief des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 23.02.1934 an den Kurator der Universität betreffend die Entschädigung des Volksschullehrers. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.
Brief des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 23.02.1934 an den Kurator der Universität betreffend die Entschädigung des Volksschullehrers. Quelle: Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 1263; unpag.

Landheim Lippoldsberg – Das ‚Nohl-Haus‘

Das Landheim in Lippoldsberg existierte seit 1929 als Bestandteil des Pädagogischen Seminars. Aufgrund seiner hervorgehobenen Rolle – es wurde durch Herman Nohl eigens für Zwecke des Pädagogischen Seminars erworben – und seinem lang anhaltenden Bestehen während der 100-jährigen Geschichte des Pädagogsichen Seminars (der mit diesem Ort untrennbar verknüpfte Verein „Die Freunde des Göttinger pädagogischen Seminars e. V.“ bestand bis November 2015) findet sich Näheres zu diesem Ort in einem eigenen Beitrag.

Pädagogische Hochschule Göttingen

Die ‚PH‘ (Pädagogische Hochschule Göttingen) wurde am 8. Februar 1946 eröffnet. Mit dem Übergang in die Universität Göttingen als Fachbereich Erziehungswissenschaften zum 1. Oktober 1978 befindet sich die PH mit dem Pädagogischen Seminar institutionell unter einem Dach.1 Inhaltlich gab es unter anderem durch die IGS Geismar (s.u.) Überschneidungen mit dem Pädagogischen Seminar.

1 vgl. Kuss 1986.

IGS Geismar

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Geismar, die (u.a.) als eine Reaktion auf bzw. Entwicklung im Anschluss an die in den 1960er Jahren attestierte Bildungskatastrophe verstanden werden kann1, nahm 1975 ihren Betrieb auf. Einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der Schule leistete eine Planungsgruppe, die 1971 ihre Arbeit aufgenommen hatte und dabei durch ihre Mitglieder (auch) eine Schnittstelle zwischen dem Pädagogischen Seminar und der Pädagogischen Hochschule darstellte.2 Seit November 1972 arbeitete eine Projektgruppe mit dem Namen SIGS, die „der wissenschaftlichen Begleitung der Planung und Durchführung des Schulversuchs IGS Göttingen-Geismar“3 diente. Nach mehrmaliger Verlängerung endete das Projekt SIGS Anfang 1983.4

1 vgl. Projektgruppe Soziale Interaktion in der Gesamtschule 1975, S. 15ff.
2 vgl. Projektgruppe SIGS 1978, S. 46.
3 Projektgruppe Soziale Interaktion in der Gesamtschule 1975, S. 21.
4 vgl. Brandt & Schlömerkemper 1984, S. 1.

Geräteraum

Im Februar 1976 wird dem Pädagogischen Seminar ein Geräteraum im Keller des Verfügungsgebäudes zugewiesen, in dem Fernsehgeräte, Video-Recorder-Anlagen u.ä. untergebracht werden sollen.1

1 vgl. Archiv IfE: Gebäude Wagnerstraße Hainholzweg; unpag.

Psychagogisches Kinderheim Rittmarshausen e. V.

Der Verein, zu dem Klaus Mollenhauer lange Zeit als 1. Vorsitzender gehörte (laut IfE-Archiv im Jahr 1993 seit mehr als 10 Jahren), war zu Mollenhauers dort aktiver Zeit Träger eines psychotherapeutisch orientierten Kinderheims, einer privaten Heimsonderschule und (in Bischhausen) einer heilpädagogischen Tagesstätte samt heilpädagogischem Heim.
Der Kontakt des Pädagogischen Seminars bzw. Klaus Mollenhauers ergab sich aus einer Organisationsberatung, die Mollenhauer mit Studierenden beim Verein durchgeführt hatte.
Als sich Mollenhauer 1993 stellvertretend für den Verein auf die Suche nach engagiertem und interessiertem Nachwuchs begibt, liegt ihm der Trägerverein und die dazugehörigen Einrichtungen unter anderem deswegen am Herzen, weil er – so Mollenhauer in einem Anschreiben an das Pädagogische Seminar vom 10.05.1993 – in der Vergangenheit für zahlreiche Studierende bereits die Möglichkeit erster Berufserfahrungen bot. Aber auch für Mollenhauer selbst bot die Arbeit im Verein eine „ununterbrochene Quelle für sozialpädagogische Erfahrung, die notwendige Korrektur des „Buchwissens“ “ 1 also, und damit nach eigener Aussage sowohl Wissenschaft als auch Praxis.
Der Verein besteht auch heute – Stand 2020 -noch fort – unter dem Namen Psychagogische Kinder- und Jugendhilfe Rittmarshausen e.V.

1 (Archiv IfE: MAV 1993-1998; unpag.)

Quellen:

Archiv IfE: Gebäude Wagnerstraße Hainholzweg; unpag.
Archiv IfE: MAV 1993-1998; unpag.
Brandt, H. & Schlömerkemper, J. (1984): Schüler-Erfahrungen im Team-Kleingruppen-Modell. Ergebnisse einer Befragung von Schülern und Eltern. Göttingen.
Projektgruppe SIGS (1978): Innere Entwicklungen an Gesamtschulen – Das Beispiel der IGS Göttingen. In: K.-O. Bauer & H.-G. Rolff (Hrsg.): Innovation und Schulentwicklung. Bildungssoziologische Analysen und Fallstudien. Weinheim und Basel, S. 46–68.
Kuss, H. (1986): Von der Pädagogischen Hochschule zum Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Göttingen (1946-1986). Nachdruck aus GEORGIA AUGUSTA November 1986, Nachrichten der Universität Göttingen.
Projektgruppe Soziale Interaktion in der Gesamtschule (1975): Soziale Interaktion in der Gesamtschule. Erfahrungen und Perspektiven der Gesamtschulpraxis. Hannover u.a.

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